Kommentar von Clemens Fütterer
Rekord-Lebenserwartung: Auf den Einzelfall kommt es an

Problemlösung für das Sturmgewehr G36. Karikatur: Tomicek
Die Lebenserwartung ist immer ein Spiegelbild der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse wie Wohlstand, Ernährung, Hygiene oder der medizinischen Versorgung. Weil diese Rahmenbedingungen offenbar stimmen, erreicht die Lebenserwartung in Deutschland einen neuen Rekord. Wer einigermaßen gesund lebt und sich bewegt, besitzt beste Chancen, fast dreimal so alt zu werden wie Frauen und Männer in Entwicklungsländern am untersten Ende der weltweiten Armutsskala.

Relativiert die faktische Reich-Arm-Differenz bei der Lebenserwartung unser Klagen über ein Zuviel an Chemie in Essen und Trinken, Gen-Nahrungsmittel, Pestizide, Antibiotika im Fleisch, Lärm, Hektik und Stress? Sprechen wir hier lediglich über ein Jammern auf hohem Niveau? Der Ist-Zustand in jeder Lebenssituation rückt die bloßen statistischen Zahlen zur Lebenserwartung wieder zurecht. So ist sauberes Trinkwasser in vielen Entwicklungsländern eine existenzielle Frage. Die Probleme - etwa mit multiresistenten Keimen bei einer Standard-OP in Deutschland - wiegen in der persönlichen Betroffenheit ebenso schwer.

Doch wer exzessiv raucht und trinkt, drückt seine Lebenserwartung auf das Niveau der Entwicklungsländer. Womit im Einzelfall die "statistische Parität" wieder hergestellt wäre.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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