Kommentar von Clemens Fütterer
Steuer-Tricksereien der Konzerne sind zutiefst asozial

Schnell-Gericht. Karikatur: Tomicek
Wer bezahlt schon gerne Steuern? Versuche, die Abgaben an den Staat zu unterlaufen, sind vermutlich so alt wie die Menschheitsgeschichte. Doch jeder vom deutschen Fiskus erfasste Arbeitnehmer, Freiberufler oder Mittelständler muss sich von der trickreichen Steuervermeidungs-Strategie der Konzerne verladen fühlen.

Die Recherche von 80 Journalisten aus 26 Ländern legte die Schmutzeleien internationaler Top-Unternehmen offen, über Luxemburg zum Teil weniger als 1 Prozent Steuern zu bezahlen: Durch Kredit-, Lizenz- und Durchreiche-Manipulationen werden die (satten) Gewinne so lange verschoben, bis kaum mehr was für den Staat bleibt. Scheinheilig versichern die Betroffenen, völlig legal zu handeln. Dieses Geschäftsmodell von Amazon, Ikea & Co. sorgt nicht nur für eine gnadenlose Wettbewerbsverzerrung. Die Steuer-Tricksereien sind zutiefst asozial. Denn die Konzerne bedienen sich selbstverständlich und gerne jener öffentlichen Infrastruktur, die über das Steueraufkommen finanziert wird.

Moralisches Lamento hilft nicht. Der steuerliche Datenaustausch von Ländern rund um den Globus ab 2017 stellt lediglich einen ersten Schritt für Steuergerechtigkeit dar. Denn auch dann gibt es noch genügend Steueroasen auf der Welt. Nur der Aufwand und das Risiko für internationale Steuervermeidung fallen höher aus.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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