Kommentar von Clemens Fütterer
Strategischer

Schritt

Das Zusammengehen der Raiffeisenbanken Weiden und Naabtal zu "Oberpfalz Mitte" unterstreicht den Anspruch auf einen regionalen Wirkungskreis. Die Volksbank Nordoberpfalz (Weiden-Neustadt-Tirschenreuth) und die Sparkasse Oberpfalz Nord (Weiden-Tirschenreuth) setzten hier bereits Zeichen. Die Raiffeisenbank "Oberpfalz Mitte" markiert mit Weiden-Neustadt-Tirschenreuth-Schwandorf neue Dimensionen. Nicht nur flächenmäßig. Sie bringt 1,5 Milliarden Euro Bilanzsumme und - was noch wichtiger ist - mehr als 13 Millionen jährlichen Betriebsgewinn auf die Waage: Und überholt damit den bisherigen genossenschaftlichen "Platzhirschen", die Volksbank Nordoberpfalz (1 Milliarde Euro Bilanzsumme).

Selbst an der Sparkasse Oberpfalz Nord (1,4 Milliarden Euro) und der Vereinigten Sparkassen Neustadt/WN (1,3 Milliarden) zieht die Raiffeisenbank "Oberpfalz Mitte" vorbei. Größer sind die Sparkasse Amberg-Sulzbach (2 Milliarden) und die Sparkasse Schwandorf (1,9 Milliarden).

"Fusionen werden zur Normalität", prognostiziert der Chef der Raiffeisenbank Weiden, Hermann Ott. Die Macht des Faktischen dürfte seine Worte bestätigen. Der Kostendruck durch sinkende Zinserträge, nervige Schurigelei durch die EZB (sie will keine kleinen Banken), Digitalisierung und Demografie werden Banken und auch Sparkassen zu weiteren Zusammenschlüssen zwingen. Unrentable Geschäftsstellen schließen selbst in Orten, die heute noch tabu sind. Derzeit kommen bereits 500 digitale Kontakte auf ein einziges Beratungsgespräch in einer Filiale. Dieser Trend wird sich durch "Mobile Banking" noch verstärken.

Smartphone statt Bankschalter: Die Kunden stimmen mit Klicks und Füßen über die Existenz der Geschäftsstellen ab. Allen Beteuerungen zum Trotz werden die schrumpfenden Betriebsgewinne die Banken und Geldinstitute dazu nötigen, ihre bisherigen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen. Die neue Raiffeisenbank "Oberpfalz Mitte" macht vor diesem Hintergrund einen vorausschauenden, strategischen Schritt. Bei der nächsten Fusion ist sie jedenfalls nicht mehr der Juniorpartner.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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