Kommentar von Frank Stüdemann
Alexis Tsipras hat seine zweite Chance bekommen

Alle Augen richten sich auf Athen - mal wieder. Wieder waren die Griechen an die Wahlurnen gerufen worden, zum gefühlt hundertsten Mal innerhalb weniger Jahre. Und wie es aussieht, heißt der neue so wie der alte Ministerpräsident: Alexis Tsipras. Der hatte mit seinem strategischen Rücktritt die Neuwahlen erst nötig gemacht und war ein beträchtliches Risiko eingegangen. Die Gegner in den eigenen Reihen wollte er mit diesem Manöver loswerden, eine stabile Mehrheit im Parlament sichern. Noch ist offen, ob im beides gelungen ist.

Sicher scheint nur: Der smarte Krisenpolitiker hat bei den Wahlen eine zweite Chance bekommen, denn sein Linksbündnis Syriza bleibt die stärkste Kraft im Land. Eine zweite Chance, den mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Sparkurs fortzusetzen und Brüssel von der Zuverlässigkeit der Athener Regierung zu überzeugen. Aber auch eine zweite Chance, um das Vertrauen der griechischen Bevölkerung zurückzugewinnen, die Tsipras mit zu vielen unhaltbaren Versprechen enttäuscht hat.

Zu beneiden ist der 41-Jährige nicht um die Herkulesaufgabe, die vor ihm liegt. Denn zusätzlich zur eigenen katastrophalen Finanzlage drückt auch die Flüchtlingskrise das gestrauchelte Land zu Boden. Tspiras und seiner neuen Regierung muss es gelingen, Griechenland wieder auf die Beine zu bringen. Diese zweite Chance ist gleichzeitig auch seine allerletzte.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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