Kommentar von Frank Stüdemann
Das griechische Theater kostet Zeit und Nerven

Nassforsches in Brüssel. Karikatur: Tomicek
"Lassen Sie uns nicht zu technisch werden." Das ist offenbar eine der Lieblingsfloskeln des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis, die er immer dann einsetzt, wenn man ganz konkret wissen will, wie er die marode Finanzlage seines Heimatlandes eigentlich reparieren will. Jemandem wie Wolfgang Schäuble, dem altgedienten Politprofi, muss es bei solchen Sätzen schier den Magen umdrehen. Der deutsche Finanzminister wird sich in den vergangenen Wochen mehr als einmal gefragt haben, ob dem neugewählten Personal in Athen wirklich bewusst ist, wie ernst die Lage Griechenlands ist.

Und dann feuert auch noch der neue Verteidigungsminister Panos Kammenos eine verbale Attacke nach der anderen ab, um Schäuble vor allem persönlich zu treffen. Der behält die Nerven - aber wie lange noch?

Freuen dürfen sich derzeit höchstens andere Euro-Zonen-Sorgenkinder wie Spanien, Italien und Frankreich. Denn solange das griechische Theater andauert, rücken sie aus dem Fokus der Aufmerksamkeit. Die griechische Bevölkerung muss jedoch tatenlos zusehen, wie ihre neuen Hoffnungsträger den Karren an die Wand fahren.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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