Kommentar von Frank Stüdemann
Der zockende Tsipras und eine offene Tür

Börsenstürze. Karikatur: Tomicek
Tsipras und Varoufakis, die sturen Griechen auf der einen Seite. Juncker, Draghi, Lagarde, Merkel und Co., die wohlwollenden, entgegenkommenden Geldgeber auf der anderen Seite. So einfach ist die Wahrheit nicht, auch nicht im Finanzthriller um die Zukunft Griechenlands.

Das Referendum, bei dem am Sonntag nun doch das Volk entscheiden soll, ob das Land die Forderungen aus Brüssel und Washington erfüllt und im Euro bleibt, hat der griechische Staatschef wie ein Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert, um Zeit zu gewinnen. Ein durchschaubarer Tsipras-Trick, aber durchaus legitim.

Denn letztlich ist das ganze Verhandeln um Sparmaßnahmen, Schuldenschnitte und neue Kredite von Anfang an nichts anderes gewesen als das: ein Pokerspiel mit atemberaubend hohen Einsätzen. Und die bubenhaft wirkenden Zocker aus Athen haben die Mitspieler der anderen Seite mehr als einmal überrumpelt, düpiert und enttäuscht.

Umso löblicher, dass sowohl der EU-Kommissionschef als auch die Bundeskanzlerin in diesen bangen Stunden immer wieder betonen, dass die Tür noch nicht zugeschlagen ist. Die Tür zu weiteren Verhandlungen, zu möglichen Kompromissen. Es bleibt ihnen aber auch nichts anderes übrig. Wer will schon schuld sein am Anfang vom Ende der Euro-Zone?

frank.stuedemann@derneuetag.de
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