Kommentar von Frank Stüdemann
Die Lage ist dramatisch, aber nicht aussichtslos

Selbst dem größten Optimisten wird in der aktuellen Flüchtlingskrise so langsam mulmig. Die Eilmeldungen der Nachrichtenagenturen sprechen eine deutliche Sprache: Die Bundesrepublik führt vorübergehend Grenzkontrollen wieder ein, der Zugverkehr von Österreich nach Deutschland wird unterbrochen. Nichts geht mehr. Hilfs- und Sicherheitskräfte in München und anderswo sind an den Grenzen ihrer Kapazitäten angekommen. Die bange Frage: Wie wird das alles enden? Niemand weiß das so genau.

Auf andere Fragen gibt es hingegen überhaupt keine Antworten, jedenfalls keine befriedigenden. Wenn eine vergleichsweise kleine bayerische Stadt wie Passau einen Krisenstab eingerichtet hat, um des Andrangs Herr zu werden - warum hört man dann noch nichts von einem ständigen Krisenstab im Bundeskanzleramt? Warum tritt bisher keiner der Notfallpläne in Kraft, die zweifelsohne in den Schubladen von Ministerien und Behörden liegen? Oder hat allen Ernstes niemand damit gerechnet, dass sich Menschen aus den Krisengebieten der Welt irgendwann zu Hunderttausenden aufmachen werden in Richtung Europa? Das wäre fatal.

Bislang hat kaum jemand die Worte "Notstand" oder "Chaos" in den Mund genommen, um zu beschreiben, was gerade in Deutschland passiert. An sich ist das auch gut so. Allerdings darf man die Lage weder mit blumigen Floskeln beschönigen noch unnötig mit Schwarzmalerei dramatisieren. Die Menschen sind nun mal da. Und es werden noch mehr kommen.

Mit einer fairen Verteilung der Asylsuchenden zwischen den Bundesländern und innerhalb der EU kann diese Herausforderung gemeistert werden - logistisch und finanziell. Dabei muss jeder Einzelne allzeit einen kühlen Kopf bewahren. Damit Zündler keine Chance haben.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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