Kommentar von Frank Stüdemann
Die übermächtige Kanzlerin verhindert Aufbruchsstimmung

Kölnisch Wasser. Karikatur: Tomicek
Das Selbstbewusstsein der CDU hat einen Namen: Angela Merkel, die wiedergewählte Vorsitzende, die nebenbei auch noch Bundeskanzlerin ist. Bei ihrer Parteitagsrede in Köln verpasste sie ihrem Regierungspartner SPD eine Ohrfeige und weinte öffentlich den gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit den Grünen nach - wenig staatstragend. Dass sie die Kanzlerin aller Bürger ist, nicht nur die der CDU-Wähler, das hatte sie da wohl kurz vergessen.

Merkels Auftritt wurde von einigen als früher Aufbruch in den Wahlkampf 2017 gewertet. Ein echtes Aufbruchssignal wäre es gewesen, wenn sie den Platz an der Parteispitze freigemacht hätte - für jemanden wie die rheinland-pfälzische Parteivorsitzende Julia Klöckner. Stattdessen zeigt sich einmal mehr das Problem der CDU: Die Partei wird von der übermächtigen Kanzlerin gebremst, regiert nur noch in vier Bundesländern, verliert vor allem in großen Städten an Boden. So läuft sie Gefahr, irgendwann das gleiche Schicksal zu erleiden wie unter der Herrschaft des "ewigen" CDU-Chefs Kohl.

Die Christdemokraten sollten beispielsweise lieber die AfD offen attackieren, die ihr rechts der Mitte die Wähler abspenstig macht, statt gegen die SPD und die rot-rot-grünen Experimente auf Landesebene zu wettern. Aber sie übernimmt lieber Merkels Politikstil: totschweigen, ignorieren, aussitzen.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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