Kommentar von Frank Stüdemann
Die Zukunft der FDP leuchtet schwach - und in Magenta

Auf die FDP einzudreschen, das war lange Zeit ein beliebter Sport von Kabarettisten und Kommentatoren. Dann warf der Wähler die Liberalen im hohen Bogen aus dem Bundestag und den meisten Landtagen. Tiefer kann man als Partei nicht mehr sinken. Glanz und Stärke der Genscher-Gemeinschaft waren verflogen, die FDP aus den Nachrichten verschwunden.

Jetzt aber tut Parteichef Christian Lindner, was jeder versucht, der am Boden liegt: das Scheitern als Chance begreifen. Denn wer fast alles verloren hat, kann eigentlich nur noch gewinnen. Und so möchte man ganz vorsichtig fast schon ein bisschen spekulieren: Was, wenn die "neue" FDP tatsächlich zum Hoffnungsträger wird?

Was, wenn sie irgendwann den ehemaligen Berliner Koalitionspartnern CDU und CSU die Bedrohung rechts der Mitte vom Hals schaffen könnte, AfD-Wähler oder Wutbürger in Scharen anlocken? Die frisch renovierten Freien Demokraten: bürgerlich-konservativ, aber nicht rechtspopulistisch, wirtschaftsnah und gleichzeitig sozial gerecht? Und als Sahnehäubchen eine faire Steuerpolitik. Schön wär's, wählbare Alternativen werden gebraucht.

Ob allerdings die neue Parteifarbe nützlich sein wird, um die FDP zurück in die Wähler- herzen zu schmuggeln, ist fraglich. Magenta assoziieren die meisten Deutschen mit der Telekom - und die hat trotz Umfärbung von Gelb auf Purpur noch immer ein Imageproblem.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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