Kommentar von Frank Stüdemann
Dobrindts Bau-Offensive: Willkommen, aber reichlich spät

Hitzewelle. Karikatur: Tomicek
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat alle Mühe, vom Maut-Debakel abzulenken, durch das er eben noch nicht sonderlich glücklich an der langen Leine seines CSU-Parteichefs Horst Seehofer gestolpert ist. Da kommt die Geldspritze ganz gelegen, die er den maroden Straßen und Brücken verpasst - und 2,7 Milliarden Euro klingen für den Anfang ja auch gar nicht so schlecht.

Was ein bisschen stört, ist lediglich das verbale Feuerwerk, das der Minister dazu abbrennt: Die "kräftigste Modernisierungsoffensive, die es je gegeben hat" sei das, für den "Wohlstand von morgen" werde gesorgt. Jetzt mal halblang. Sicher, der Bund macht ein erkleckliches Sümmchen locker, um den teils erbarmungswürdigen Zustand unserer Verkehrsinfrastruktur zu verbessern. Fragt sich nur, warum erst jetzt geflickt, repariert und zusammengedübelt wird, was vom Zerfall bedroht ist. Durch eine vernünftige Instandsetzung in den vergangenen 20Jahren wären viele marode Problemfälle erst gar nicht entstanden. Aber auch Dobrindts Amtsvorgänger müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, nie den Mumm und das Geld für eine echte Sanierungsoffensive gehabt zu haben.

So oder so: Die Auto- und Motorradfahrer auf deutschen Straßen dürfen sich freuen, dass endlich was vorangeht. Nur von den Staus durch immer mehr neue Baustellen wird wahrscheinlich niemand so richtig begeistert sein.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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