Kommentar von Frank Stüdemann
Eine einsame Entscheidung, hunderte zerstörte Leben

Nach der eigentlichen Nachricht vom Absturz der Germanwings-Maschine am Dienstag folgte gestern eine Entwicklung der Nachrichtenlage, die fast noch dramatischer ist: Es war der Mensch, der den Dienst verweigerte - nicht die Maschine, nicht die Technik. Ein einzelner Mann im Cockpit traf offenbar die einsame Entscheidung, nicht nur sein Leben zu beenden, sondern das von 149 anderen Menschen gleich mit.

Mehr ist nach aktuellem Ermittlungsstand noch nicht bekannt. Die Frage nach dem Warum lässt sich nicht beantworten. Spekulationen verbieten sich. Und eigentlich spielt es auch keine Rolle mehr, warum der Copilot tat, was er tat. Die Motive des jungen Mannes zu kennen, macht die Toten des Fluges 4U 9525 nicht wieder lebendig.

Zu verhindern ist eine derartige Koppelung von Suizid und Massenmord nicht. Genauso wenig, wie sich ein fataler technischer Defekt in einer solch hochkomplexen Maschine zu 100 Prozent ausschließen lässt. Kein Persönlichkeitstest und keine noch so akribische Wartung können verhindern, dass solche Katastrophen passieren. Der einzige, schwache Trost: Sie passieren sehr selten.

Die französischen Behörden haben den Namen des Copiloten öffentlich genannt. Juristisch ist das wohl legitim. Für sein privates Umfeld ist das eine Katastrophe. Und er selbst erlangt damit eine Berühmtheit, die er nicht verdient hat.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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