Kommentar von Frank Stüdemann
Es stinkt hinter den DFB-Kulissen, jetzt lüftet die Justiz den Laden

Man muss sich diesen Betrag einmal auf der Zunge zergehen lassen. Eine Geldmenge, die die Fantasie jedes normalen Bürgers überfordert. Die meisten Fußballfans und Vereine, die neben den Sponsoren schließlich eine Einrichtung wie den Deutschen Fußballbund finanzieren, haben nie auch nur eine einzige Million zur Verfügung gehabt - geschweige denn, gleich mehrere Millionen.

Für das DFB-Spitzenpersonal, namentlich Wolfgang Niersbach und dessen Vorgänger Theo Zwanziger, aber auch für potenzielle Mitwisser wie den "Kaiser" Franz Beckenbauer scheint ein solcher Betrag allerdings kaum der Rede wert zu sein. Anders lässt sich nicht verstehen, warum die Strippenzieher des organisierten Finanzfußballs die vergangenen Wochen nicht genutzt haben, um die Karten endlich auf den Tisch zu legen. Niersbachs verzweifelte Pressekonferenz am 22. Oktober verstärkte eher den Eindruck, dass hinter den Kulissen des Verbandes etwas ganz gewaltig stinkt und dass es nicht nur die internationalen Verbandsbonzen aus der Blatter-Liga sind, die gerade eine ganze Sportart in Verruf bringen. Jetzt muss also die Staatsanwaltschaft nachhelfen, damit das Finanzgebaren des DFB endlich ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird.

Da könnte man ja schon fast den Teilzeithäftling Uli Hoeneß loben. Auch der konnte mit großen Geldsummen bekanntlich nicht sonderlich gut umgehen und hat den Staat betrogen - also uns alle. Wenigstens hatte der aber den Mumm, sich selbst anzuzeigen.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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