Kommentar von Frank Stüdemann
François Hollande, der unbeliebte Biedermann

Sommerzeit. Karikatur: Tomicek
Es sind schwere Tage für den französischen Präsidenten François Hollande. Auch sein Land steht nach dem Absturz der Germanwings-Maschine noch unter Schock. Am Sonntag nahm er in Tunis an einem Gedenkmarsch für die Opfer des Terroranschlags vom 18. März teil. Trotz des ernsten Anlasses fand er mit seinem tunesischen Amtskollegen Béji Caïd Essebsi Gelegenheit für ein herzhaftes Lachen. Das wird ihm auf dem Heimweg vergangen sein.

Falls die Wahlen in den Départements als Stimmungstest für die gesamte Grande Nation taugen - und davon ist auszugehen -, stehen Hollandes Sozialisten vor einer Erosion ihrer Machtbasis. Es verwundert nicht, denn der bieder wirkende Mann aus dem Élysée-Palast hat sich zwar auf europäischer Ebene als verlässlicher Partner an der Seite Deutschlands profiliert. Im eigenen Land ist er allerdings unbeliebter denn je.

Zu viel hat er dem von Arbeitslosigkeit, sozialen Spannungen und schwacher Wirtschaft gebeutelten Land versprochen und zu wenig gehalten. Nur so lässt sich erklären, dass nun ausgerechnet sein konservativer Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy vor dem Comeback steht - ein Hardliner mit Geltungssucht. Quelle douleur!

frank.stuedemann@derneuetag.de
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