Kommentar von Frank Stüdemann
Grenzenlose Gangsterjagd mit jahrelanger Verspätung

Familien-Betrieb. Karikatur: Tomicek
Es ist rund 25 Jahre her, da fiel der Eiserne Vorhang auch zwischen Bayern und Böhmen, und seit gut acht Jahren gehört Tschechien zum Schengen-Raum. Reisende zwischen beiden Ländern genießen also nicht erst seit gestern eine gewisse Freizügigkeit, können problemlos die Grenze in beide Richtungen überqueren. Auch Nepper, Schlepper, Drogenhändler und Schmuggler aller Art nutzen die nicht mehr ganz so neue Freiheit nach Herzenslust - leider.

Allerhöchste Zeit also, dass auch der Arm des Gesetzes endlich von politischen Handschellen befreit wird: Deutsche und tschechische Polizeikräfte müssen sich bald weniger denn je daran orientieren, wo früher die Schlagbäume standen. Für Kriminelle eine "schlechte Nachricht", wie der Bundesinnenminister und sein Prager Amtskollege stolz verkündeten.

Beiden Seiten ist ja zu wünschen, dass das neue Abkommen zu mehr Fahndungserfolgen und weniger Kriminalität im Grenzgebiet führt. Die Frage ist allerdings: Was hätte nicht alles verhindert oder schneller aufgeklärt werden können, wäre die Politik nicht so träge in die Puschen gekommen? Das Schneckentempo, mit dem der Polizei Steine aus dem Weg geräumt werden, ist wahrlich kein Grund, stolz zu sein.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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