Kommentar von Frank Stüdemann
Mittelgroße Sensation: Merkel zeigt Mut zur Meinung

... Caspar, Melchior und Balthasar! Karikatur: Tomicek
Man kann der Bundeskanzlerin in der Regel wirklich nicht vorwerfen, dass sie zu deutlich und zu eindeutig wird, wenn sie öffentlich spricht. Im Gegenteil. Wie die meisten Vertreter der politischen Klasse verbirgt sie die wahre Botschaft ihrer Worte gerne und regelmäßig hinter nichtssagenden Floskeln.

Daher ist die Klarheit, mit der Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache die Bevölkerung vor den Rattenfängern der Pegida-Bewegung gewarnt hat, eine mittelgroße Sensation. Die Regierungschefin hat endlich einmal klar Position bezogen gegen die Panik-Propagandisten, die diffuse Ängste schüren und Ressentiments bedienen. Dass ausgerechnet aus der AfD massive Kritik an der Rede der Kanzlerin kommt, wundert wohl niemanden - berechtigt ist diese Breitseite deshalb noch lange nicht.

Merkel diffamiert nicht die Menschen, die unter dem Pegida-Banner auf die Straße gehen, sondern warnt vor den Strippenziehern im Hintergrund. Die Meinungsfreiheit gilt übrigens auch für die Kanzlerin. Sie müsste sie nur öfter nutzen.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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