Kommentar von Frank Stüdemann
Planlose Gesichter in Zeiten der Notfallpläne

Deutsche Einheit. Karikatur: Tomicek
Überrascht und oft auch überfordert wirken die politisch Handelnden dieser Tage angesichts der steigenden Zahl von Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Vertreibung oder Armut an den Grenzen Deutschlands ankommen. Die Frage lautet: warum? Viel zu lange hat man es versäumt, das Land logistisch, politisch und moralisch auf den Andrang vorzubereiten, der längst abzusehen war. Statt dynamischen Langzeitplänen gibt es jetzt nur noch Notfallpläne. Schlecht geplant.

Die Folge: Es fehlt an Unterkünften, es fehlt an klaren Worten, es fehlt an Verständnis. Deutschland und die anderen reichen EU-Staaten haben es durchaus im Kreuz, mit dem Anschwellen des Flüchtlingsstroms fertigzuwerden. Es hätte nur längst einen fairen Schlüssel gebraucht, der festlegt, wie sich der Strom in der europäischen Gemeinschaft verteilen soll. Es war ein Fehler, die entsprechenden Quotenpläne sang- und klanglos aufzugeben.

Migration ist für einen Staatenverbund wie die EU eine Chance, keine Gefahr. Es wird Zeit, dass diese Erkenntnis von oben nach unten durchsickert - von den Entscheidungsträgern hin zu den Bürgern.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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