Kommentar von Frank Stüdemann
Rausch und Sucht als Spiegel der Gesellschaft

... widdewiddewitt! Karikatur: Tomicek
Wir sind ein Volk der Süchtigen. Und wie das mit jeder Sucht so ist: Sie fordert immer einen Preis, der über die wachsenden rein finanziellen Kosten hinausgeht. Der neue Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zeigt sehr deutlich, wie es um uns bestellt ist, und es gibt wenig Grund zur Freude.

Noch immer raucht rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung. Die gute Nachricht: Unter den 12- bis 17-Jährigen sinkt die Zahl der Raucher stetig. Vielleicht sind die Jüngeren ja auch empfänglicher für Aufklärungskampagnen. Oder das breite Werbeverbot für Glimmstängel macht sich bei ihnen bemerkbar: Die Tabakkonzerne können ihnen mittlerweile nicht mehr so einfach vorgaukeln, wie cool ein Leben im krebserregenden Dunst ist.

Deprimierend ist allerdings die Zahl der Alkoholabhängigen: 1,77 Millionen Erwachsene brauchen Bier, Schnaps, Likör und Co., um ihr Leben zu meistern. In einer Gesellschaft, in der Vereinsamung sowie beruflicher und sozialer Druck zunehmen, verwundert diese Kennziffer nicht. Auch das wachsende Heer der Crystal- und Ecstasy-Konsumenten ist letztlich nur ein Spiegel der Welt, in der wir leben.

Das besondere Problem beim Alkohol im Unterschied zu anderen Drogen: Er ist noch immer zu leicht verfügbar, wird gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, sondern massiv gefördert und nach wie vor viel zu sorglos vermarktet. Unbequeme Tatsachen, auch im Land von Zoigl und Weißbier.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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