Kommentar von Frank Stüdemann
Streik ist nicht gleich Streik: Das Instrument stumpft ab

Stichtag. Karikatur: Tomicek
Die Lokführer, die Piloten, die Postangestellten, die Erzieher in den Kitas - irgendwer streikt derzeit doch eigentlich immer. Dieser diffuse Eindruck könnte bei vielen Bürgern längst entstanden sein: bei Bahnreisenden, die nicht vom Fleck kommen, bei berufstätigen Eltern, die händeringend nach einer Betreuung für ihre Kinder suchen. Oder bei Postkunden, die auf dringende Briefe warten - falls es das in Zeiten von E-Mail und Internet überhaupt noch gibt.

Auffällig ist, dass sich die breite Öffentlichkeit nicht bei jeder Berufsgruppe gleich stark aufregt, wenn diese in den Ausstand tritt. Kita-Erzieherinnen fliegt offenbar mehr Sympathie und Verständnis zu als Lokführern oder Piloten, auch wenn deren Streik natürlich ebenso wehtut. Das soll er auch. Und trotzdem stellt sich die Frage, ob so eine Arbeitsniederlegung eigentlich immer die richtigen Adressaten trifft. Eine gewisse Streikverdrossenheit der Deutschen ist nachvollziehbar, auch wenn niemand die Rechte eines Arbeitnehmers infrage stellen will. Das Problem ist doch: Nicht in allen Fällen scheint ein Streik noch das passende Mittel zu sein, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

Im Fall von GDL und Bahn hat sich beispielsweise gezeigt, dass selbst der x-te Ausstand keinen echten Durchbruch bringt. Sturheit stumpft das Instrument des Streiks immer weiter ab. Das schadet nicht nur der eigenen Berufsgruppe, sondern im Endeffekt auch allen anderen Arbeitnehmern.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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