Kommentar von Frank Stüdemann
Tarifabschluss mit fadem Beigeschmack

Brüsseler Drehtür. Karikatur: Tomicek
Was ist in den vergangenen vier Wochen nicht alles liegen geblieben: wichtige Dokumente, Arzneisendungen, Zulassungspapiere, dringende Reha-Informationen und sogar Urnen mit den sterblichen Überresten geliebter Menschen. Ein Streik, der seinen Zweck erfüllte und so ziemlich jeden Bundesbürger getroffen hat. Beim Arbeitskampf der Lokführer oder dem der Kita-Erzieherinnen konnten viele ungerührt mit den Schultern zucken. Aber bei der Post? Nicht ganz so einfach.

Verdi wird das als Erfolg verbuchen, und in der Tat zeugte es von einem breiten Kreuz, den Streik auch zu Beginn der jüngsten Tarifverhandlungen weiterlaufen zu lassen. Aber auch wenn die Post-Beschäftigten jetzt mehr Geld bekommen - in einem wesentlichen Punkt hat die Gewerkschaft die Post nicht in die Knie zwingen können: Die unter heftiger Kritik gegründeten Tochter-Paketgesellschaften mit schlechterer Bezahlung bleiben bestehen, aber nur neu eingestellte Zusteller dürfen künftig für sie unter Vertrag genommen werden.

Es passiert also, was immer wieder bei solchen Tarifabschlüssen passiert: Die Arbeitnehmer von heute dürfen weitgehend behalten, was sie haben, oder sie bekommen sogar ein bisschen mehr. Ausbaden müssen das die Arbeitnehmer von morgen. Nicht ganz fair.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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