Kommentar von Frank Stüdemann
Was hätte wohl Helmut Schmidt getan?

"Was hätte Helmut Schmidt zu den Anschlägen gesagt?" Eine gute Frage, die die Bundeskanzlerin in ihrer Rede beim Staatsakt für den verstorbenen Altkanzler aufgeworfen hat. Eine rhetorische Frage, sicher. Eine Frage aber, die nicht nur sie sich noch öfter stellen wird. Jetzt, wo diese politisch-moralische Instanz nicht mehr da ist, kann es auch keine seriöse Antwort mehr geben. Aber spekulieren kann man darüber, was Schmidt wohl getan hätte in dieser oder jener Lage.

Womöglich hätte er sich längst in einer rhetorisch aufgerüsteten Fernsehansprache an die Bevölkerung gewandt, um ihr nach den Anschlägen von Paris zu demonstrieren: Wir stehen an der Seite Frankreichs, wir tun alles, um Schutz zu bieten vor der diffusen Bedrohung des islamistischen Terrors. Bei dieser Gelegenheit hätte er mit der Faust auf dem Tisch vielleicht klargestellt, dass er in der Asylpolitik kein Jota von seiner Position abrücken wird. Und wenn dann der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer geglaubt hätte, ihn auf einem CSU-Parteitag abkanzeln zu dürfen, hätte er ihn in die Schranken gewiesen - davon darf man ausgehen. Fraglich ist auch, ob einer wie Thomas de Maizière unter Schmidt noch Innenminister wäre.

Aber so ist das eben mit den rhetorischen Fragen: Sie bringen niemand weiter. Und auch ein Helmut Schmidt wusste ja nicht immer auf alles die richtige Antwort. Aber wer derart unter Beschuss gerät wie Angela Merkel, dem kann ein Stoßgebet hinauf zum Altkanzler sicher nicht schaden.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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