Kommentar von Frank Stüdemann
Wolfgang Schäuble und seine undankbare Aufgabe

Trojaner im Bundestag. Karikatur: Tomicek
Ob Wolfgang Schäuble griechische Albträume hat? Der 72-jährige Politveteran wurde am Wochenende für seine Verdienste um die deutsche Wiedervereinigung mit dem Point-Alpha-Preis geehrt. Verglichen mit dem andauernden Pleite-Drama um Griechenland dürfte dem Bundesfinanzminister die Zusammenführung von BRD und DDR, die er damals als Innenminister unter Kanzler Kohl orchestrierte, rückblickend wie ein Spaziergang vorkommen.

In Brüssel muss Schäuble heute mit seinen Amtskollegen der Euro-Zone einmal mehr versuchen, den Weg zu ebnen, damit seiner Chefin und den anderen europäischen Staats- und Regierungschefs am Abend dann vielleicht doch noch der Durchbruch gelingt. Sollte das klappen, wird der schwäbelnde Akkordarbeiter zu den Architekten der Einigung gehören - auch wenn andere dafür den Applaus ernten dürften. Das aber ist Schäuble seit der Ära Kohl gewohnt.

Schäubles Athener Pendant Gianis Varoufakis fordert unterdessen die Kanzlerin auf, eine "ehrenvolle Einigung" zu ermöglichen. Die wird nur gelingen, wenn sich die griechische Seite als verlässlicher Verhandlungspartner beweist. Immer wieder behauptet Ministerpräsident Tsipras, neue Lösungsvorschläge abgeschickt zu haben - immer wieder behauptet Brüssel, die Post sei nicht angekommen. Ein unwürdiges Schauspiel, für das hoffentlich heute der letzte Vorhang fällt.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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