Kommentar von Frank Werner
Damit das hohe Lied auf das Ehrenamt kein Trauermarsch wird

Es war für unsere Zeitung kein Problem, zum Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember Dutzende leuchtende Beispiele aus der Region zu finden. Da sind der Orgelspieler der Kirche St. Ägidius in Ebnath, die Lesepatinnen aus Sulzbach-Rosenberg oder der Flüchtlingshelfer aus Nittenau. Sie alle verbindet der Wille, anderen Menschen eine Freude zu bereiten, ihnen unter die Arme zu greifen. Ohne diese Freiwilligen würde der Sozialstaat nicht funktionieren.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingskrise das Motto "Wir schaffen das" ausrief, wusste sie, dass sie sich auf die Solidargemeinschaft verlassen kann. Doch nicht nur bei der Hilfe für die Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan darf der gute Wille der Ehrenamtlichen überstrapaziert werden. Ein Dankeschön und eine Runde Applaus reichen nicht. Wenn durch das Engagement Nachteile entstehen - finanziell oder gesellschaftlich - wird das hohe Lied auf das Ehrenamt schnell zu einem Trauermarsch.

Der Sozial-Egoismus scheint vor allem im ländlichen Raum zum Glück noch nicht überhand genommen zu haben. Je kleiner die Einheit, um so größer der Zusammenhalt. Dieses Pflänzchen gilt es weiter kräftig zu pflegen. Der demografische Wandel ist aber auch hier dramatisch zu spüren. Immer mehr Vereine verlieren altersbedingt ihre Führungsfiguren.

Es bedarf einer massiven und dauerhaften Anstrengung, um junge Menschen weiter für das freiwillige Engagement zu begeistern. Mit warmen Worten allein wird das nicht gelingen. Vergünstigungen wie zum Beispiel die Ehrenamtscard müssen verstärkt her. Ein Mission, die in die Köpfe muss, ohne den Geldbeutel zu vergessen.

frank.werner@derneuetag.de
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