Kommentar von Frank Werner
Der Politische Aschermittwoch darf nicht begraben werden

Eine Große Koalition ist Gift für einen kernigen Politischen Aschermittwoch. CSU und SPD fassen sich dann fast immer mit Samthandschuhen an. So war es auch dieses Jahr in Passau und Vilshofen. Eine zähe Angelegenheit. Das Polit-Spektakel geht ohnehin vielen auf den Geist. Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter zum Beispiel. Er bezweifelt, ob die Veranstaltung die nächsten 15 Jahre überleben wird. "Stinklangweilig" fand er die CSU-Performance in diesem Jahr.

Da mag Oberreuter, Direktor des Instituts für Journalistenausbildung Passau, in der Tat recht haben. CSU-Vorsitzender Horst Seehofer wirkte so uninspiriert wie selten zuvor. Und SPD-Chef Sigmar Gabriel ist ohnehin kein Bierzelt-Brüller. Aber deswegen gleich den ganzen Aschermittwoch begraben? Es wäre ein Jammer für die politische Kultur im Freistaat.

Einmal im Jahr dürfen oder müssen Politiker die Hosen runterlassen. Klartext ist angesagt. Auch wenn es diesmal nur ein Klartextchen war. Für den Wähler können die Worte ein klarer Kompass sein. Wer die Chance nicht nutzt - Pech gehabt. Mancher lässt auch die Maske fallen, bis eine Fratze zum Vorschein kommt. Man muss die Sprüche schließlich nicht alle bierernst nehmen - aber ohne sie wäre der Polit-Alltag doch staubtrocken.

frank.werner@derneuetag.de
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