Kommentar von Frank Werner
Die Katastrophe vor der Haustüre

Es sind die grausamen Fakten, die den Absturz des Airbus A320 noch schlimmer erscheinen lassen, als es so eine Katastrophe ohnehin ist. Da sind die unfassbar langen acht Minuten Sinkflug vor dem Crash in den Alpen. Da ist die Ohnmacht über den Tod von Austauschschülern aus Nordrhein-Westfalen, die in Spanien eine Woche mit Gleichaltrigen verbrachten. Und da ist das Gefühl ins Wanken gebracht worden, dass deutsche Fluggesellschaften die absolute Sicherheit mit an Bord haben.

Diesmal ist es kein Absturz in Asien, in Russland oder in Afrika. Es ist eine Katastrophe vor der Haustüre. Natürlich steht die Aufklärung über die Ursachen im Vordergrund. Was ist schief gelaufen bei Flug 4U 9525 der Germanwings von Barcelona nach Düsseldorf? Was sind die Lehren, um Flüge sicherer zu machen? Diese Fragen brauchen schnelle Antworten.

Bei mehr als vier Milliarden Fluggästen jährlich liegt das Risiko, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben, bei rund 0,00001 Prozent. Eine verschwindend geringe Zahl. Das Gefährlichste an einer Urlaubsreise ist also die Anfahrt zum Flughafen. Diese Zahlenspiele mögen für zukünftige Fluggäste tröstlich sein, für die Angehörigen der Todesopfer des Germanwings-Flugzeuges sind sie es nicht.

Ihre Tränen werden auch nicht getrocknet sein, wenn die Ursache des Absturzes in Südfrankreich geklärt ist. Aber das Unfassbare lässt sich leichter verarbeiten, wenn das Warum feststeht. Es geht darum, das Risiko im Flugverkehr noch weiter zu minimieren. Die Wahrheit bleibt aber so banal wie grausam: Eine absolute Sicherheit wird es nie geben.

frank.werner@derneuetag.de
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