Kommentar von Frank Werner
Lucke sucht die Lücke: Die AfD am Scheideweg

Närrische Zeiten. Karikatur: Tomicek
Pegida erging es wie so vielen Protestbewegungen: Nach der Euphorie kam schnell die Ernüchterung. Bei den Islamkritikern erfolgte die Selbstzerfleischung allerdings in Rekordtempo. Nach den Rücktritten der Führungfiguren Lutz Bachmann und Kathrin Oertel taumelt Pegida am Abgrund. Das Ringen um die ideologische Ausrichtung ist voll entbrannt. Die radikalen Kräfte scheinen die Oberhand zu behalten. Unbelehrbare Rechtsextremisten, die die Chance wittern, für ihr Gedankengut eine große Plattform zu finden.

Ein Richtungsstreit, der am Wochenende auch die AfD auf ihrem Parteitag beschäftigt. Der eurokritische Liberalismus des Vorsitzenden Bernd Lucke und seines Stellvertreters Olaf Henkel steht nicht mehr im Mittelpunkt der Diskussionen. Brandenburgs Fraktionschef Alexander Gauland rückt mit seinen islamfeindlichen Stellungnahmen die Partei nach rechts.

Kann die AfD langfristig die Heimat von Wutbürgern aller Art werden? Ein Sammelbecken aller, die mit "denen da oben" abgeschlossen haben? Die Nichtwähler tatsächlich zum Urnengang zu bewegen, mag kurzfristig mit dumpfen Parolen funktionieren. Aber als reine Protestpartei und Pegida-Anhängsel hat die AfD keine Überlebenschance.

frank.werner@derneuetag.de
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