Kommentar von Frank Werner
Obama und Putin im Dialog: Keine Zeit für Befindlichkeiten

Die beiden mächtigsten Männer der Welt sind so unterschiedliche Typen, wie zwei Politiker überhaupt nur sein können. Barack Obama und Wladimir Putin prägen gegenseitiges Misstrauen und große Abneigung. Diese Befindlichkeiten müssen die beiden Herren schleunigst ablegen. Das Syrien-Drama eint sie zu einer Schicksalsgemeinschaft.

Ihre Auftritte bei der UN-Vollversammlung - vor ihrem Vier-Augen-Gespräch - machen wenig Hoffnung, dass eine echte Kehrtwende bevorsteht. Die Präsidenten haben nur ein gemeinsames Ziel: den Vormarsch des Islamischen Staats stoppen und die Terror-Miliz besiegen.

Was aber danach passieren soll, darüber gibt es überhaupt keine einheitliche Linie. Syriens Diktator Assad mit ins Boot nehmen oder nicht? Obama macht deutlich, dass es keine Rückkehr zum Status quo vor Beginn des Bürgerkrieges geben könne. Für Putin ist Assad dagegen nicht der "Bad Boy". Er kann sich den "Tyrannen" (O-Ton Obama) durchaus weiter im Amt vorstellen - zumindest übergangsweise.

Hier dürfte auch Kanzlerin Angela Merkel vorsichtig zustimmen. Ein völliges Zerstören der staatlichen Strukturen in Syrien wie im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins ist gefährlich. Das Blutvergießen dürfte dann unvermindert weitergehen. Immerhin: Obama und Putin reden miteinander, suchen nach einer Lösung. Dieser Kraftakt ist aber auch alternativlos - wie es Merkel so gerne ausdrückt.

frank.werner@derneuetag.de
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