Kommentar von Gabriele Weiß
Arm trotz Arbeit: Sozial ist das nicht mehr

Und die weiteren Aussichten ... Karikatur: Tomicek
Deutschland trotzt der Wirtschaftskrise, hat sogar den weltweit höchsten Exportüberschuss. Da sollte man meinen, dass die Bürger das auch zu spüren bekommen - positiv. Aber weit gefehlt: Während die Wirtschaft floriert, werden immer größere Schichten der Bevölkerung vom Wohlstand abgehängt.

Über die Hälfte der Deutschen hat einen Job, doch der Verdienst reicht längst nicht mehr in jedem Fall zum Leben. Immer mehr Menschen sind arm trotz Arbeit. Amerikanische Verhältnisse.

Nun schlagen Experten Alarm. Recht so - es wurde aber auch Zeit. Die Bundesrepublik basiert auch auf der Idee einer sozialen Marktwirtschaft. Nun hat dieses Fundament Risse bekommen, und je größer sie werden, desto schwerer werden sie zu kitten sein. Wenn die Politik der zunehmenden Armut, von der auch viele Kinder und Jugendliche betroffen sind, nicht schon aus moralischen Gründen begegnet, dann sollte sie es wenigstens aus Eigennutz tun.

Das Problem lässt sich nur eine Zeit lang ignorieren. Irgendwann aber beginnt der brüchige soziale Frieden zu bröckeln, und damit wächst auch die Gefahr einer politischen Radikalisierung. Das kann niemand ernsthaft wollen.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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