Kommentar von Gabriele Weiß
Auch für Patienten wird es spannend

Schneekanone. Karikatur: Tomicek
Eine angemessene Bezahlung, insbesondere für Bereitschaftsdienste in den Nacht- und Wochenendstunden, dazu eine Beschränkung der Dienstpflicht auf höchstens zwei Wochenenden im Monat - das verlangt der Marburger Bund als Vertreter von rund 55 000 Ärzten in bundesweit etwa 600 kommunalen Krankenhäusern bei den aktuellen Tarifverhandlungen.

Doch auch diese Kliniken werden längst unter knallharten betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Unwirtschaftliche Häuser sind geschlossen, die Verweilzeiten der Patienten bereits auf ein Minimum reduziert. Bleiben noch die Personalkosten als Option zum Sparen in Zeiten klammer Haushalte. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Pläne des Marburger Bundes bei den Klinikträgern auf wenig Gegenliebe stoßen werden. Bedeuten sie doch auch, dass Personal aufgestockt werden müsste, und das zu verbesserten Konditionen.

Das dürfte spannend werden, vor allem für die Patienten. Schon jetzt sind stundenlange Wartezeiten in der Notaufnahme gang und gäbe. Und selbst wer es auf die Station "geschafft" hat, bekommt außerhalb der täglichen Visite kaum einen Mediziner zu Gesicht. Diagnose: akute Überlastung und chronischer Zeitmangel. Prognose: ungünstig.

Mehr Geld und weniger Dienstpflichten könnten im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen dann letztendlich leider bedeuten: Patienten müssen eben noch länger warten, bis der Arzt kommt. Gute Besserung!

gabriele.weiß@derneuetag.de
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