Kommentar von Gabriele Weiß
Der Spion, der aus dem Cyber-Raum kam

Wehrbung. Karikatur: Tomicek
Während in Berlin noch der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags ermittelt, erschüttert bereits eine neue Spionageaffäre die westliche Welt. Hacker haben das Netzwerk der US-Regierung angegriffen. Ein Verdächtiger ist schon gefunden: Die Russen sollen einmal mehr hinter den Attacken stecken. Der Spion, der aus der Kälte kam, er ist Vergangenheit; heute bewegt er sich quasi körperlos durch die Weiten des Cyber-Raums.

Und trotzdem: 25 Jahre nach dem Mauerfall leben die alten Freund-Feind-Schemata aus Zeiten des Kalten Krieges wieder auf. Hier die freie, demokratische westliche Welt mit ihrem Hoffnungsträger Barack Obama; dort das vom finsteren Wladimir Putin im Alleingang geführte Russland, das sich nach verlorener sowjetischer Größe zurücksehnt.

So schlicht diese Weltsicht auch sein mag, sie ist doch ungeheuer anziehend. Wer Politik schwarz-weiß malt, braucht sich schließlich nicht mit all den Grautönen herumzuschlagen, die das wirkliche Bild ausmachen.

Nach Edward Snowdens Enthüllungen waren die Geheimdienste der USA und ihrer angelsächsischen Verbündeten vor allem in Deutschland ins Zwielicht geraten. Wer wahllos jeden Bürger jedes beliebigen Staates überwacht, darf nun aber kaum mit Mitleid rechnen, wenn er selbst Ziel eines Spionageangriffs wird. Täter und Opfer - gerade in der Politik sind die Akteure meistens eben beides zugleich.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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