Kommentar von Gabriele Weiß
Der Strom der Flüchtlinge wird nicht abreißen

Nummer eins mit Durchblick. Karikatur: Tomicek
Immer mehr Flüchtlinge drängen nach Europa. Doch hier ist ihre Odyssee noch lange nicht zu Ende - wirklich haben will sie offenbar niemand. Die EU-Staaten praktizieren vielmehr das Sankt-Florians-Prinzip: Fremde, verschont unser Land, siedelt euch woanders an.

Das kann nicht ewig so bleiben. In einer zivilisierten, demokratischen, ethisch handelnden Gesellschaft müssen sich alle gleichermaßen dem Problem stellen und Verantwortung übernehmen.

Kurzfristig kann das bedeuten, die Flüchtlinge nach gewissen Kriterien über die Staaten zu verteilen. Langfristig wäre es aber vernünftiger und humaner, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen. Denn der Flüchtlingsstrom wird nicht abreißen, so lange Krieg, Gewalt, Unterdrückung und Armut weltweit traurige Wirklichkeit sind. Nun mag man sich fragen, inwieweit wir Europäer es in der Hand haben, Zustände in fernen Ländern und auf fremden Kontinenten zu ändern. In der Tat ist das schwierig - es scheint schließlich nicht einmal unmittelbar hinter der Grenze der EU zu gelingen, wie der Konflikt in der Ukraine zeigt. Versuchen müssen wir es trotzdem.

Wir sollten daran denken, bei jedem Flüchtlingsboot, dessen Schicksal uns bekannt wird - letzten Endes sitzt die ganze Menschheit in einem Boot.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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