Kommentar von Gabriele Weiß
Die bayerische Krux mit den "Taten statt Worten"

Horst Seehofer hat sein Thema gefunden: Im Streit mit der Selfie-Kanzlerin der Herzen Angela Merkel läuft der grantelnde Bayer zur Höchstform auf. Wo Deutschlands mächtigste Frau im Ungefähren bleibt und mantramäßige Durchhalteparolen - "wir schaffen das" - ausgibt, fordert der Landesfürst aus dem Süden lautstark "Taten statt Worte". Gut gebrüllt, Löwe - mehr aber auch nicht.

Denn Horst Seehofer ist selbst der Meister der folgenlosen Ankündigung. Die Sprüche aus dem Freistaat mögen markiger daherkommen als Merkels ewiggleiche Beschwichtigungen, dass schon alles irgendwie gut werde, wenn nur alle schön mitmachen. Doch ernst nehmen muss man die freistaatlichen Verbalattacken nicht. "Bayern behält sich vor", heißt es. Da kann man schon absolut sicher sein, dass es beim Vorbehalt auch bleiben wird.

Wäre es Horst Seehofer und seiner CSU ernst mit ihrer harschen Kritik an der für sie angeblich untragbaren Regierungspolitik, dann müssten sie konsequenterweise die Koalition in Berlin aufkündigen. Das wären wirklich einmal Taten statt Worte - und genau das wird sicher nicht passieren.

Seehofers Ankündigungen, Seehofers Protest, Seehofers Demonstrationen bayerischen Eigensinns dienen in Wirklichkeit nur dem Ziel, Wähler am rechten Rand der CSU nicht an radikalere Parteien zu verlieren. Und das ist tatsächlich eine zunehmende Gefahr der augenblicklichen Politik des ziel- und planlosen "Augen zu und durch, wird schon irgendwie werden".

gabriele.weiss@derneuetag.de
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