Kommentar von Gabriele Weiß
Die Schuldenkrise ist großes Drama

Musketiere. Karikatur: Tomicek
"Ochi" sagten die Griechen. "Isch over" sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Griechenlands Schuldenkrise, das ist ganz großes Theater. Da wird gedroht, gekeilt und nachgetreten. Da gibt es den Bösewicht - in wechselnder Besetzung - und den jugendlichen Helden. Da ist die Rede von Würde und Terror. Applaus!

Ob so viel Drama der Sache gut tut? Allmählich drängt sich der Verdacht auf, es gehe weniger um eine für alle praktikable Lösung der Schuldenkrise als vielmehr ums Prinzip. Natürlich wirkt der Umgang der griechischen Regierung mit ihrem Finanzproblem auf Nordeuropäer, vorsichtig ausgedrückt, befremdlich. Es ist auch verständlich, wenn den Gläubigern nach Jahren des immergleichen Schuldner-Lamentos bei immer neuen Ultimaten der Geduldsfaden reißt. Trotzdem: Ob die ganz harte Gangart wirklich die große Läuterung übers griechische Volk und seine Politiker bringen wird, darf bezweifelt werden.

Im Theater spielt jeder seine Rolle bis zum - oftmals tragischen - Ende. Im wirklichen Leben aber ist das nicht nötig. Bevor es allzu dramatisch wird, darf hier gerne die Vernunft siegen. Applaus!

gabriele.weiss@derneuetag.de
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