Kommentar von Gabriele Weiß
Ein bisschen mehr Leistung, bitte!

Zeichen setzen. Karikatur: Tomicek
Der Freistaat Bayern ist stolz - auf seine starke Wirtschaft, seine lebendigen Traditionen, seine kulturelle Vielfalt. Und auf seine Schulen, die zu den besten der Republik zählen. Nur zu gerne schaut man nach Tests auf die deklassierte Konkurrenz herab.

Keine Frage, wir Bayern dürfen stolz sein auf unseren lernwilligen und leistungsfähigen Nachwuchs. Und zwar umso mehr, als in Wirklichkeit längst nicht alles Spitze ist im Bildungssystem unseres Landes. An den Schulen wird viel verlangt - schon Neunjährigen werden schließlich die Weichen gestellt: Du bekommst das Ticket für die höhere Schule, du nicht. Die Buben und Mädchen, die auf der wenig geliebten Mittelschule landen, fühlen sich wie aufs Abstellgleis geschoben.

Wer sich aber anmaßt, derart früh und streng auszusieben, der sollte seinen hehren Ansprüchen auch selbst gerecht werden und nicht nur selbstgerecht sein. Das hieße: Jedes Kind muss gefördert, keines darf zurückgelassen werden. Weder die schwächeren noch die überdurchschnittlich begabten Schüler dürfen durchs Raster fallen. Und erst recht darf kein Kind abgehängt werden, weil im Elternhaus Ressourcen fehlen. Oder weil es im "falschen" Regierungsbezirk zur Schule geht.

Das Kultusministerium sieht "keine Anhaltspunkte für eine Abhängigkeit der Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft oder des Engagements der Lehrer von deren Alter". Doch wer einmal erlebt hat, wie der aufs Pensionsalter zugehende Klassenlehrer seines Kindes über Wochen nicht vertreten wird, wie Stunde um Stunde ersatzlos ausfällt, während das für den Übertritt nötige Zeugnis ansteht, der sieht das anders.

Ein bisschen mehr Leistung darf schon verlangt werden - aber bitte nicht ausschließlich von den Schülern, Eltern oder Lehrern, sondern auch von der bayerischen Staatsregierung. Ein Land, das wirtschaftlich so gut aufgestellt ist, muss nun wirklich nicht an der Bildung sparen. Nirgendwo.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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