Kommentar von Gabriele Weiß
Familie muss man sich wieder leisten können

Heute beginnt in Hamburg ein zweitägiger Bundeskongress über Kinderarmut. Gestern schlug das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein neues Modell für eine Familienarbeitszeit vor. Hat nichts miteinander zu tun? Oh doch. Familie muss man sich heutzutage wieder leisten können.

Obwohl die Arbeitslosigkeit in Deutschland immer weiter gesunken ist, leben immer mehr Kinder und Jugendliche in Armut. Traurig aber wahr: Jedes fünfte Kind ist mittlerweile davon betroffen. Und nein, Argumente à la "in unserem reichen Land ist niemand wirklich arm, jedes Kind hat zu essen, warme Kleidung und ein Dach überm Kopf" zählen nicht! Denn Armut ist nicht nur eine absolute, sondern auch eine relative Größe.

Kinder aufzuziehen kostet: Kraft, aber eben auch Geld. Das wissen alle Eltern. Die meisten Eltern haben auch den Ehrgeiz, dass es ihren Kindern später einmal zumindest nicht schlechter gehen soll als ihnen selbst. Doch nicht einmal dieses Versprechen lässt sich in Deutschland heutzutage noch einlösen. Eine Familienarbeitszeit, die beide Eltern in Teilzeit bringt und zumindest einen Teil der damit verbundenen Einkommensverluste ausgleicht, wäre sicher eine feine Sache. Schließlich würden viele Mütter und Väter gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Für Gutverdiener mag die Erfüllung dieses Wunsches mit der Familienarbeitszeit ein Stück näher rücken.

Andere Eltern haben ganz andere Probleme. Geringverdiener ebenso wie Alleinerziehende, die zwar schon längst keine Randgruppe mehr darstellen, aber immer noch benachteiligt werden - durch ein neues Scheidungsrecht ebenso wie durch eine ungerechte Steuerpolitik, die nach wie vor die kinderlose Ehe bevorzugt. Es sind noch viele politische Hausaufgaben zu machen, was die Förderung von Familien angeht.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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