Kommentar von Gabriele Weiß
"Rechtes" Gedankengut gibt es im ganzen Land

Wir haben es immer schon gewusst: Neonazis gibt es nur anderswo. Auch klar - besonders viele tummeln sich drüben im Osten, wo einst der Sozialismus real existierte. Da zeigen die "Rechten" sogar grölend Flagge, wenn die Kanzlerin kommt. Und die "Normalos" dort sind auch nicht viel besser. Die stellen sich alle einfach dazu und grölen mit!

So ähnlich denken nicht wenige im angeblich ausnahmslos "fremdenfreundlichen" Multi-Kulti-Westen. Schade, dass noch im großen Jubiläumsjahr der Deutschen Einheit eine unsichtbare Grenze durch unser Land zu verlaufen scheint. Hier die weltmännischen, durch und durch demokratischen Wessis - dort die provinziellen, kaum der Diktatur entwöhnten Ossis.

Ist das wirklich so? Machen es sich viele mit dieser Sicht der Dinge nicht ein bisschen zu leicht? Die Ostdeutschen hätten eben nie die Nazi-Diktatur aufgearbeitet, heißt es gern. Sie seien es außerdem nicht gewöhnt, mit Fremden zusammenzuleben. Es sei also kein Wunder, wenn sie sich als besonders anfällig für rechtsextremes Gedankengut erwiesen.

Stopp: Auch im Westen gibt es fremdenfeindliche Tendenzen, und manche Bürger pflegen ein Gedankengut, das sehr weit rechts von der Mitte liegt. Was die Menschen hierzulande aber seit 1945 tatsächlich gelernt haben ist, damit diskreter umzugehen. Wer sich in den "alten Ländern" vor "Überfremdung" fürchtet, trägt das nicht gleich offensiv in die Öffentlichkeit. Einen "besseren" Menschen, der auf die "braunen Dumpfbacken" aus dem Osten herabblicken kann, macht das aber nicht aus ihm.

Und traurig, aber wahr: Brandsätze gegen Flüchtlingsheime werden überall im Lande geworfen. Eine Insel der Seligen gibt es nicht - weder im Osten noch im Westen. Wer daher einen ganzen Landesteil kollektiv in die Ecke stellt, trägt nichts zur Lösung des Problems bei, sondern verschärft es noch.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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