Kommentar von Gabriele Weiß
Sterbehilfe-Debatte berührt Tabu-Themen

Gullivers Reisen. Karikatur: Tomicek
Es gibt nur wenige Themen, die moralisch heikler sind als Sterbehilfe. Zumal in Deutschland, wo einst unter der nationalsozialistischen Herrschaft Zehntausende kranke und behinderte Menschen planvoll ermordet wurden. "Gnadentod" oder "Euthanasie" hieß das damals.

Natürlich haben die Verfechter einer liberaleren Handhabung der Sterbehilfe, die sich in der aktuellen Debatte zu Wort melden, nichts mit unmenschlichen, verbrecherischen "Euthanasie"-Programmen zu tun. Man setze sich "für ein würdevolles und selbstbestimmtes Sterben ein", sagen die Parlamentarier, und dieses Bestreben ist glaubhaft. Sie möchten Ärzten künftig erlauben, "sterbenskranken Menschen zu helfen, selbst aus dem Leben zu scheiden". Nicht nur die evangelische Theologin Margot Käßmann dürfte jedoch mit dieser Form der "Beihilfe zum Suizid" Probleme haben. Nicht nur sie dürfte erkannt haben, dass sich hinter der Debatte ein weiteres moralisches Problem verbirgt: Wie geht unsere Gesellschaft generell mit Alter, Krankheit und Tod um? Und wie geht es eigentlich zusammen, dass über Sterbehilfe diskutiert wird, während der Tod, das Leiden an sich weitestgehend tabuisiert sind?

gabriele.weiss@derneuetag.de
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