Kommentar von Gabriele Weiß
Sterbehilfe-Debatte erfordert Mut

Sicher ist im Leben nur das eine: Es wird enden. Wir müssen alle sterben. Doch gerade diese Gewissheit blenden viele aus. Dabei streben die allermeisten doch zugleich nach größtmöglicher Sicherheit für ihr Dasein. Die Diskussion um die Sterbehilfe berührt ein großes Tabuthema - eines der letzten, die unsere säkularisierte, moderne Gesellschaft noch kennt. Sich mit der eigenen Verletzlichkeit und Endlichkeit auseinanderzusetzen erfordert Mut.

Es ist richtig und wichtig, dass das Thema "Sterbehilfe" im Parlament eingehend beraten wird und alle, also auch die extremsten Positionen Gehör finden. Es ist vor allem hierzulande wichtig, wo unter dem zynisch ad absurdum geführten Begriff der "Euthanasie" während der Nazi-Diktatur unzählige Menschen ermordet wurden, weil sie krank oder behindert waren. Damit hat die geplante Neuregelung der Sterbehilfe nun wirklich nichts zu tun.

Was es aber dennoch zu bedenken gilt: Auch heute gibt es Tendenzen, den Wert eines Menschen vor allem nach dessen Leistungsfähigkeit zu bemessen. Das ist bedenklich. Geradezu tragisch aber wäre es, wenn Alte, Kranke oder Behinderte aus Angst oder Scham, weil sie glauben, "nur noch zur Last zu fallen", sich indirekt zur Inanspruchnahme lebensverkürzender Maßnahmen gedrängt fühlten.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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