Kommentar von Gabriele Weiß
Symbolik und Sonntagsreden lösen keine Probleme

Die Kanzlerin besucht Heidenau, der Bundespräsident begrüßt Flüchtlinge in Berlin. Der Justizminister knöpft sich Facebook vor, der Innenminister macht Vorschläge. Symbolik, Sonntagsreden und guter Wille sind das eine. Handeln und Probleme lösen das andere. 800 000 Flüchtlinge prognostiziert Innenminister de Maizière dem Land allein für 2015. Bis Ende Juli sind tatsächlich gerade einmal um die 200 000 Asylanträge in Deutschland neu gestellt worden. Und schon jetzt ist das Chaos riesig.

Politiker, die derart schlafwandlerisch und ziellos agieren wie bislang, eröffnen genau die Spielräume, die ausländerfeindliche Gruppierungen für ihre Zwecke nutzen. Da nutzt es auch wenig, markig vom "Pack" zu sprechen wie Vizekanzler Gabriel. Dem prompt ein selbstbewusstes "Wir sind das Pack" entgegenschallt. Wie man in den Wald hineinruft ...

Was die Bürger brauchen, ist eine klare Linie, ein echter Plan. Politisches Handeln darf sich nicht in bloßen Ankündigungen, Fototerminen und Solidaritätsbekundungen erschöpfen. Ja, es gibt auch Deutsche, die nicht viel haben, die mit jedem Cent rechnen müssen, die zur "Tafel" gehen und um Billigjobs konkurrieren - die Verlierer des erodierten Sozialstaates sind. Man muss auch sie im Blick haben und ihnen zuhören, wenn sie angesichts des massenhaften Zustroms neuer Bürger ihre Sorgen äußern oder sich gar zurückgesetzt fühlen.

Was die Bürger jetzt auch brauchen, ist eine klare Ansage. Wie wird sich unser Land verändern, wenn wir weiterhin Hunderttausende Flüchtlinge aufnehmen? Mit "Deutschland kann das stemmen"-Sprüchen allein ist es nicht getan. Wir brauchen eine ehrliche, umfassende Diskussion - ohne Meinungen, die nicht dem Mainstream entsprechen, von vorneherein auszublenden oder zu diffamieren. Nur so können alle Bürger mitgenommen werden in eine Zukunft, die das Beste aus den Realitäten macht.

gabriele.weiss@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5736)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.