Kommentar von Gabriele Weiß
Vier Prozent mehr: Nur ein Ausreißer

Gute Nachrichten für Rentner: Sie können sich nächstes Jahr über ein sattes Plus bei ihren Altersbezügen freuen. Vier Prozent mehr sollen drin sein. Glückwunsch! Der Zuwachs wird vor allem Ruheständler in der Oberpfalz freuen. Denn deren Altersbezüge sind alles andere als üppig: Männer erhielten Ende 2013 im Durchschnitt rund 980 Euro monatlich, Frauen sogar nur knapp 460 Euro.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen sei allen Rentnern die jetzt in Aussicht gestellte Erhöhung von Herzen gegönnt. Sie beruht einerseits auf einer guten Wirtschaftslage mit steigenden Löhnen, andererseits aber auch auf rein statistischen Effekten. Was umgekehrt bedeutet: So positiv entwickeln sich die Renten nicht weiter. Die vier Prozent Plus sind lediglich ein glücklicher Ausreißer.

Denn das Prinzip der staatlichen Rente ist nach wie vor die generationsübergreifende Umverteilung von durch abhängige Arbeit erwirtschafteten Geldern. Doch die Gesellschaft überaltert - auf immer mehr Leistungsbezieher kommen immer weniger Einzahler. Der Kuchen, den es zu verteilen gibt, wird immer kleiner, die Zahl der zu verteilenden Stücke jedoch wächst. Und dabei ist bereits heute fast ein Viertel der Erwerbstätigen in Bayern nicht in der Lage, eine eigenständige Alterssicherung aufzubauen. Wer auf Dauer geringfügig beschäftigt ist, zahlt auch wenig bis nichts in die Rentenkasse ein.

Den aktuell guten Nachrichten zum Trotz sieht die Zukunft für Rentner daher düster aus. Der Weg in die Altersarmut ist für viele, vor allem für Frauen, bereits vorgezeichnet. Doch das ist keine Nachricht, die laut verkündet wird. Das passiert quasi nebenbei und ganz von selbst.

gabriele.weiss@derneuetag.de
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