Kommentar von Hanna Gibbs
Die Laien und ihr mächtiger Verbündeter

Position beziehen. Karikatur: Tomicek
"Da wird viel geredet und dann passiert nichts": Seit jeher muss sich der Katholikentag dieser Kritik aussetzen. Auch nach dem fünftägigen Glaubensfest in Regensburg, das von viel Regen, Politprominenz und einem großen Meinungsspektrum geprägt war, kommt die Frage auf: Was haben Diskussionen und Workshops gebracht? Wie geht es weiter mit der katholischen Kirche, der nicht wenige eine veraltete, auf den Machterhalt des Klerus ausgerichtete Struktur vorwerfen?

Obwohl er selbst nicht anwesend war, war ein Mann omnipräsent auf dem Katholikentag: Eine lebensgroße Pappfigur von Papst Franziskus machte die Runde. Begeisterte Passanten ließen sich mit dem unechten Kirchenoberhaupt fotografieren. Und auch inhaltlich verging kaum eine Veranstaltung, in der nicht der Name Franziskus gefallen wäre. Weniger Pomp, mehr Bescheidenheit und eine größere Laienbeteiligung: Für diese Appelle lieben die Katholiken ihren Papst. Sie sehen ihn als mächtigen Verbündeten. Aber auch viele Geistliche zeigen sich beglückt vom "Franziskus-Effekt". Sie hoffen, dass er den Menschen die Kirche wieder näher bringt.

Darin könnte eine Antwort auf die Frage nach dem Impuls des Regensburger Katholikentags liegen: Klerus und Laien sind sich ein Stück näher gekommen. Die Stimmung sei freier und entspannter gewesen als beim Katholikentag vor zwei Jahren, sagte Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Themen, die lange tabu waren, könnten nun zur Sprache kommen - auch dank Papst Franziskus als Wegbereiter einer angstfreien Kommunikation.

Eines ist klar: Die vielfältigen Konflikte innerhalb der Kirche werden nicht von heute auf morgen verschwinden - zu tief sind die Gräben bei Themen wie dem Zölibat, Frauen im Priesteramt oder dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Doch es war ein Anfang, dass beim Katholikentag erstmals Vertreter des kirchlich nicht anerkannten Beratungsvereins Donum Vitae mitdiskutieren durften. Denn nur wer miteinander redet, kann sich auch verstehen.

hanna.gibbs@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5669)Juni 2014 (8028)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.