Kommentar von Hans Klemm
Die Griechen spielen auf Zeit und mit dem Geld ihrer Partner

Trojanischer Lastesel. Karikatur: Tomicek
Griechenlands Finanzminister Varoufakis hat einen ausgeprägten Hang zum Schönrechnen. Zehn Meilen, sagt er, sei seine Regierung den Euro-Partnern nun schon entgegengekommen, nun könnte man sich bei einem Fünftel des Weges treffen. Klingt nett, trifft aber die Realität nicht. Die Regierung in Athen hängt an ihren Wahlversprechen, stellt tausende Staatsdiener wieder ein, erhöht die Renten, ignoriert sämtliche Spar- und Reformauflagen.

Regierungschef Alexis Tsipras braucht aber dringend die nächste Milliarden-Spritze, sonst droht Ende Februar die Staatspleite. Nun also ist davon die Rede, mit Vernunft und Augenmaß einen Kompromiss zu finden, der den Griechen auf die Beine hilft, soziale Härten mildert und die Hoffnung der Geberländer am Leben hält, ihr Geld irgendwann wiederzusehen. Allein Deutschland bürgt für Risiken in Höhe von 70 Milliarden Euro - in etwa die Summe, die Bund und Länder im Januar und Februar an Steuern einnehmen dürften.

Es bräuchte einen Herkules, der jenen hellenischen Augiasstall ausmistet, den die Vorgänger-Regierungen in Jahrzehnten hinterlassen haben. Dazu gehört, endlich eine funktionierende Steuerbehörde aufzubauen, den Begüterten ans Portmonee zu gehen und die Geldflüsse der Schattenwirtschaft anzuzapfen. Dafür braucht Tsipras Zeit. Und genau dasselbe hemdsärmelig-burschikose Auftreten im eigenen Land, mit dem er bisher in Europa angeeckt ist.

hans-klemm@t-online.de
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