Kommentar von Hans Klemm
Die unglaublich-unfassbare Kehrtwende des Alexis Tsipras

"Neues Spiel, neues Glück!" Karikatur: Tomicek
Alexis Tsipras hat das Zeug zum Rallye-Superstar. Solch eine Vollbremsung mit anschließender Kehrtwende hat die Welt noch nicht gesehen. Derart rasante Wendemanöver kennt auch die Politik nicht: Vor einer Woche noch rief der griechische Ministerpräsident seine Landsleute lauthals zur Ablehnung all der Zumutungen auf, die er jetzt fein säuberlich aufgelistet in Brüssel vorlegt. Unfassbar, unglaublich.

Tsipras müsste eigentlich das Handtuch werfen. In der verzweifelten Lage blieb offenbar nur die Wahl zwischen einem Beruhigungs-Papier an die Geldgeber, verbunden mit der klammheimlichen Hoffnung, die Griechen würden den Salto rückwärts beklatschen nach dem Motto: "Kommt eh alles nicht so schlimm."

Die Partner in EU und im Euro-Raum haben die letzten Monate manche Unverschämtheiten aus Athen schlucken müssen. Sie sind gewarnt. Leistung und Gegenleistung bringen sie ohnehin nicht mehr ins Gleichgewicht, Milliarden sind verloren.

Aber eine weitere Kehrtwende müsste Tsipras noch vollziehen: Er müsste ran an die griechischen Auslandsvermögen, eine funktionierende Finanz- und Steuerverwaltung aufbauen und auch seinen Landsleuten klar sagen: Leben auf Pump funktioniert nicht, auf Kosten anderer schon gar nicht. Aber wie das so ist bei mancher Vollbremsung: Die Karre landet dann doch im Abgrund.

hans-klemm@t-online.de
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