Kommentar von Hans Klemm
Griechenland bleibt auch nach der Wahl auf die EU angewiesen

Draghis letzter Coup. Karikatur: Tomicek
An diesem Sonntag schaut ganz Europa auf Griechenland. Nein, eine Schicksalswahl läuft dort nicht ab, aber eine Richtungswahl. Nach allen Prognosen wird die radikale Linke unter Alexis Tsipras die Regierungsgeschäfte übernehmen. Die Versprechungen sind vollmundig, mit denen er gut ein Drittel der Griechen bisher auf seine Seite zu ziehen vermochte: Keine Bevormundung mehr durch EU, Währungsfonds und Europäische Zentralbank und damit ein Schuldenschnitt, der dem Land wieder Luft zum Atmen lässt.

Das klingt in den Augen der Griechen verständlich und verlockend, auch deshalb, weil Mittelschicht, Beamte und Rentner unter dem Spardiktat erheblich zu leiden hatten. Aber das wäre der zu bequeme Weg aus der hellenischen Misere. Alle Reformbemühungen der amtierenden Regierung Samaras konnten in wenigen Monaten aus einem aufgeblähten, rückständigen und unfähigen Staatsapparat keine effiziente Verwaltung schaffen. Außer Schatten- und Privatwirtschaft - soweit noch vorhanden - funktioniert noch wenig.

Tsipras wird an seine Grenzen stoßen, im eigenen Land wie in der EU. Ein von der bisherigen Politik maßlos enttäuschtes Volk mit großspurigen Versprechungen zu locken, mag zu Wahlsiegen führen. Danach beginnt das politische Tagesgeschäft, auch mit der EU.

hans-klemm@t-online.de
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