Kommentar von Hans Klemm
Löschtrupp Merkel-Hollande beim Brandstifter in Moskau

Die Münchener Sicherheitskonferenz beginnt. Karikatur: Tomicek
Die Aufgabe hätte undankbarer nicht sein können: Wladimir Putin zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Das offizielle Russland mag noch so wortreich seine "Neutralität" im Ukraine-Konflikt herbeireden, der Schlüssel zur Beendigung dieses Krieges liegt in Moskau.

Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident François Hollande unternahmen einen letzten Versuch, Putin von einem Einlenken zu überzeugen. Niemand weiß, was sie tags zuvor in Kiew ausgehandelt hatten, aber die Verpflichtung der Ukraine zur dauerhaften Neutralität wäre der Punkt, an dem der Kreml einen Stopp der Rüstungslieferungen und den Rückzug der Soldaten verkünden müsste.

All das waren am Freitag denkbare Szenarien, genauso wie ein komplettes Scheitern der Mission Merkel-Hollande. Die ungewöhnlich dreiste Kritik, mit der US-Senator John McCain die Kanzlerin und die Berliner Außenpolitik überschüttete, lässt befürchten, dass die Falken in Washington Einfluss gewinnen. Waffenlieferungen der USA an die Ukraine bedeuten aber das Ende aller diplomatischen Bemühungen.

Aufrüstung wirke in diesem Fall wie ein Brandbeschleuniger, erklärte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf der Münchener Sicherheitskonferenz. Merkel und Hollande waren, um im Bild zu bleiben, als Löschtrupp beim Brandstifter unterwegs. Hoffentlich mit einem Teilerfolg.

hans-klemm@t-online.de
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