Kommentar von Hans Klemm
Nach der gelben Karte für Blatter muss der Platzverweis folgen

Vorbilder. Karikatur: Tomicek
Joseph Blatter und seine Funktionärskaste ramponieren das Ansehen des Fußballs, ruinieren können sie die Sportart Nummer 1 nicht. Selbst wenn der 79-Jährige seine fünfte Amtszeit durchstehen sollte, Gerichtsverfahren entwischen und sein Kumpanei-System noch eine Zeit lang erhalten könnte: Der Kongress in Zürich markiert einen Wendepunkt.

Blatter nimmt zumindest in Europa niemand mehr ab, wenn er salbungsvoll über Fairness, Sportsgeist und Kameradschaft schwadroniert, nicht die Bundesliga-Spitze, schon gar nicht der Amateur, der Woche für Woche die Haxen in den unteren Amateurklassen hinhält.

Der Schweizer musste zumindest einen zweiten Wahlgang überstehen, um auf dem bequemen und mit 1,5 Milliarden Dollar gepolsterten Sessel der Fifa sitzenbleiben zu können. Das lässt hoffen. Der Patriarch, der so gerne von der "Fußball-Familie" spricht und sie zugleich so schamlos ausnützt, könnte schneller verstoßen sein, als er zu denken wagt.

Die Europäer - zumindest die gewichtigen - unter dem Dach der Uefa spielen dieses schmutzige Spiel nicht länger mit. Wenn die Sponsoren, allen voran global operierende Sportartikler und Autokonzerne, nicht noch weitere Millionen in diesen Sumpf versenken wollen, dann bröckelt das Blattersche Regime aus Geldumverteilung und Stimmenkauf. Gestern in Zürich gab es eine gelbe Karte, Rot muss folgen.

hans-klemm@t-online.de
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