Kommentar von Hans Klemm
Nur gegen Assad lässt sich das Flüchtlingsdrama auflösen

Andreas Kreuz. Karikatur: Tomicek
Gemessen am Ergebnis manch anderer Konferenzen war das Treffen in Berlin zur Unterstützung syrischer Flüchtlinge durchaus ein Erfolg. Das Problem ist erkannt: Mehr als drei Millionen Vertriebene hausen in den Ländern rund um ihre angestammte Heimat. Libanon, Jordanien und die Türkei sind diesem Zustrom nicht gewachsen. Geld muss her, um die Lage zu bessern. Deutschland und die USA rafften sich als einzige zu konkreten Zusagen auf.

Allerdings traute sich in Berlin niemand, die Ursache des Übels klar anzusprechen. Ja, so heißt es, eine militärische Lösung scheide aus, nur über politische Bemühungen lasse sich diese humanitäre Katastrophe lösen. Das ist blanke Illusion. Mit den Mörderbanden des IS ist nicht zu verhandeln, mit Machthaber Assad verliefen alle bisherigen Bemühungen im Nichts. Der syrische Präsident führt seit drei Jahren Krieg gegen das eigene Volk. Die Staatengemeinschaft scheut sich, ihn zu vertreiben. Die Entwicklung nach Mubarak in Ägypten und nach Gaddafi in Libyen schreckt zu sehr ab.

Also bleiben Syrien und seine Flüchtlinge weitere Jahre auf der politischen Tagesordnung. Bisher sind 70 000 in Deutschland gelandet. Im Spätherbst dürfte die Zahl weiter anwachsen und dann etwa die Einwohnerzahl von Amberg plus Weiden erreicht haben.

Das klingt imposant, aber im Vergleich zu den Massen, die bei den Nachbarn Syriens Unterschlupf fanden, vernachlässigbar. Dort, in den Aufnahmeländern, zu helfen, ist Gebot der Stunde. Die halbe Milliarde, die aus Deutschland dorthin fließt, ist gut angelegt.

hans-klemm@t-online.de
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