Kommentar von Hans Klemm
Obama lässt sich mit dem Iran auf ein riskantes Manöver ein

Ostern 2015. Karikatur: Tomicek
Es ist die erste gute Nachricht aus der arabischen Welt seit langem. Aber als "historisch" (US-Präsident Obama) lässt sich das Atom-Abkommen mit dem Iran nicht einstufen. Vielmehr als ersten Schritt, das seit der Khomeini-Revolution 1979 zunehmend isolierte Land wieder an den Verhandlungstisch zurückzubringen.

Es klingt nach Bedenkenträgerei, aber festzuhalten bleibt, dass die bisherigen Absprachen den Weg zur Bombe nicht versperren, dass Teheran intensiv in die Machtkämpfe im Jemen und Syrien eingreift, intern die nach China höchste Zahl an Hinrichtungen vollstreckt, foltert, jedwede Meinungsfreiheit unterdrückt.

Die Diktatur der Ayatollahs war zum Einlenken gezwungen. Sanktionen zahlen sich halt doch aus. Ein Großteil der rund 75 Millionen Iraner lebt von staatlich-islamischen Zuwendungen, die Arbeitslosigkeit liegt geschätzt bei um die 50 Prozent, hierunter leidet die zum Teil akademisch ausgebildete Jugend. Das Land, das bei Erdgasreserven weltweit an zweiter und bei Öl-Vorkommen an dritter Stelle rangiert, verfügt also über die Mittel, sich wirtschaftlich voran zu arbeiten. Das lässt auf gute Geschäfte hoffen.

Politisch bleibt das Regime in Teheran unberechenbar. Gerade Obama hat sich mit seiner diplomatischen Offensive auf ein riskantes Dreiecks-Spiel eingelassen. Sein Hauptverbündeter Israel traut dem Pseudo-Frieden sowieso nicht, Saudi-Arabien, Nummer 2 auf der US-Rechnung, ist erklärter Gegner des Iran bei den Vormachtkämpfen auf der arabischen Halbinsel. Die Vereinbarung von Lausanne mag die Entwicklung einer Nuklearwaffe verzögern, Islamisierung und Radikalisierung aber schreiten voran.

hans-klemm@t-online.de
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