Kommentar von Hans Klemm
Putin unterschätzt die Hartnäckigkeit der Europäer

Annäherung. Karikatur: Tomicek
Zur hohen Kunst der Diplomatie gehört die Fähigkeit, sich auch in die Lage des Anderen zu versetzen. Nur wer Verständnis für die Position eines Gegners aufbringen kann, der ist zur Konfliktlösung bereit. Wladimir Putin fehlt diese Fähigkeit offensichtlich. Die drei hochrangigen Gesprächsrunden in Mailand führten zu nichts Greifbarem. Man sprach gut fünf Stunden miteinander, in der Ostukraine fielen weiter Schüsse.

Nach dem jüngsten Lagebericht der Nato stehen Putins Truppen nach wie vor an (und jenseits) der Grenze zur Ukraine. Das und der Streit über die Gasversorgung sind entscheidende Verhandlungspunkte, die von der zentralen Frage überlagert werden, ob der Kreml-Chef überhaupt an einem Fortbestand einer unabhängigen Ukraine interessiert ist. Andere Themen wie das Prozedere für Lokalwahlen sind vernachlässigbar.

Putin spielt auf Zeit. Er sitzt militärisch klar am längeren Hebel, glaubt allerdings auch, er könne die Wirtschaftssanktionen des Westens durchstehen. Sein Öl und Gas und der anstehende Winter würden die EU noch einknicken lassen. Da täuscht er sich. Europa hat sich gewappnet. Gas ist gebunkert, wirtschaftlich sitzt die EU an einem sehr langen Hebel.

hans-klemm@t-online.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5731)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.