Kommentar von Hans Klemm
Spionageangriff aus den Reihen der "üblichen Verdächtigen"

Trojaner Netzwerk. Karikatur: Tomicek
Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht. Dieser Satz der Bundeskanzlerin, gefallen im Zuge der Handy-Abhörerei des US-Nachrichtendienstes NSA, erklärt, warum in Berlin der Angriff auf Bundestags-Rechner ziemlich locker gesehen wird. Es sind ja offensichtlich die üblichen Verdächtigen mit Sitz in Moskau, die da alles wissen wollen, was zwischen Abgeordneten, ihren Wahlkreisbüros und dem Bundestag so hin- und hergeschrieben wird.

Industriespionage kannten wir. Sie gefährdet den wirtschaftlichen Erfolg vieler Unternehmen: Produkte, die kurz vor der Markteinführung stehen, bietet die Konkurrenz aus gottweißwoher urplötzlich auch an - zu unschlagbaren Preisen. Das greift die Substanz einer Exportnation wie Deutschland massiv an, vernichtet Arbeitsplätze.

Was aber gibt es in einem demokratischen Parlament auszuspionieren? Da kommt die aus Vor-Internet-Zeiten bekannte Sucht der Geheimdienste durch, alles wissen zu wollen, Meinungsbilder und Persönlichkeitsprofile zu erstellen, Schwachpunkte zu lokalisieren und Angriffsflächen einzelner Personen auszuloten. Auf die locker-leichte Schulter ist das nicht zu nehmen. Der Bundestag ist - wie die Wirtschaft und erst recht der gemeine User des Internets - zu sorglos umgegangen mit den kriminellen Möglichkeiten, die das weltweite Datennetz bietet.

Eines ist auch klar: Je besser die Schutzmaßnahmen, desto raffinierter werden die Angriffe. Der private wie der öffentliche Bereich hat sich dafür zu wappnen. Das kostet und ist mit einer Flatrate nicht zu haben.

hans-klemm@t-online.de
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