Kommentar von Josef Maier
Problem der Problem-Löser

Es ist wohl reiner Zufall, dass es am selben Tag passierte. Es ist aber kein Zufall, dass es passierte. Martin Bader (in einigen Wochen) und Gerhard Poschner (ab sofort) lenken nicht mehr die Geschicke ihrer Vereine. Der Nürnberger Sportvorstand und der 1860-Sportdirektor sind die Gesichter, die man zuallererst mit dem derzeitigen Verfall der bayerischen Traditionsclubs in Verbindung bringt.

Es ist aber nicht fair, beide allein für die derzeitigen Durststrecken verantwortlich zu machen. Bader etwa schuf vor einigen Jahren ordentliche Vereins-Strukturen in Nürnberg und steht auch ein bisschen für den größten Erfolg der jüngeren Vereingeschichte, dem DFB-Pokalsieg 2007.

Aber sowohl er, als auch Poschner haben verdrängt, dass sie zuletzt nicht mehr Problem-Löser waren, sondern Teil des Problems geworden sind. Ein immer größeres Problem. Die falschen Spieler wurden geholt, auch die falschen Trainer (etwa Ismaël hier, Moniz da). Gestandene Akteure wurden vergrault. Die Kommunikation nach außen war oft eine Katastrophe. Das Auftreten grenzte teilweise an Arroganz. Der Fan auf den etwas billigeren Plätzen kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Zuletzt klebten beide nur mehr an ihren Sesseln, spielten auch auf Zeit.

Die Rücktritte kommen derweil viel zu spät, hätten sofort nach den Analysen der vergangenen Spielzeit erfolgen müssen. Hier haben die Kontrollorgane in den Clubs grandios versagt. Sie sind mittlerweile auch Teil des Problems.

josef.maier@derneuetag.de
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